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Glamping auf nordisch: Hvide Sande in Dänemark

Zehn Grad Außentemperatur, es regnet in Strömen, dazu weht ein fieser, hartnäckiger Wind. Der Frühling hat eine Pause gemacht, als die Glamping-Inspektorin mit einer befreundeten, vierköpfigen Familie einen Test macht: Glamping auf nordisch – in Dänemark.

Von Heidi Hagemann


Hamburg, 6. Mai 2016. Nach fünfstündiger Autofahrt von Hamburg nach Hvide Sande, das zu Jütland gehört, sind alle heilfroh, dass dies kein klassisches Zelt-Wochenende wird. Die beiden 11 und 13-jährigen Kids Thore und Pit konnten sich unter Glamping gar nichts vorstellen. Als ihnen vorab versprochen wurde, dass sie ein eigenes Badezimmer und WLAN in ihrer Unterkunft bekämen, war der Protest nicht mehr allzu groß.

Widerwillig, aber auch neugierig fuhren sie mit, obwohl sie lieber das ganze Wochenende Zuhause an der Spielekonsole herum „gedaddelt“ hätten. Gabi, die Mutter der beiden, hat reichlich Campingerfahrung, aber nach dem letzten verregneten Urlaub – ausgerechnet in Italien – steht ihr eher der Sinn nach einer festen Behausung: Mit ordentlichen Betten statt ungemütlicher Isomatte und einem Bad statt Waschhäusern, die gefühlte fünf Kilometer entfernt sind. Einzig Olli liebt das naturnahe Gefühl, wenn man im Zelt liegt und die frische Luft um die Nase spürt. Andererseits hat auch er nichts gegen ein wenig Luxus einzuwenden.

Der Test kann beginnen: Die vier beziehen ein fast neues Mobilheim, Modell „Charmeur“, 31 Quadratmeter groß, drei Schlafzimmer, eine komplett eingerichtete Küche, ein großes Badezimmer mit geräumiger Dusche und eine kleine Terrasse. „Wow, das nenne ich mal Glamping“, staunt Gabi. Der Regen prasselt auf das Dach der Unterkunft. Macht nix, alle scherzen herum, die Kinder halten glücklich ihren WLAN-Code in den Händen. „Das ist also Glamping. Ein Ferienhäuschen aus Plastik“, fasst Olli mit einem Augenzwinkern zusammen.

Die Unterkunft der Glamping-Inspektorin hat es ihm eher angetan. Eine Holz-Hütte, 25 Quadratmeter groß und mit zwei Schlafräumen ausgestattet, die gut zur Umgebung passt und nordisches Ambiente vermittelt. „Viel gemütlicher, aber etwas weniger Komfort“, meint Olli.


Auf Safarizelte oder ähnliche Mietobjekte wird hier aufgrund der Witterung verzichtet. Die Dänen sind noch in den Anfängen und setzen auf Standards. Die sind top, aber es glamourt hier weniger, daher gibt es hierfür vier Punkte.


Am nächsten Morgen ist es immer noch kalt und windig, aber trocken. Zeit, um die Anlage näher zu erforschen. Diese liegt direkt hinter den Dünen und ist nur einige Schritte vom Strand entfernt. Glamping-Gastinspektorin Gabi entdeckt die Badelandschaft. Diese besteht aus einem 1000 Quadratmeter großen Indoor-Pool mit Wasserrutschen, Massagestrahlern, einem Jacuzzi und einer kleinen Sauna. Das könne man ruhig als Luxuscamping einstufen, meint sie. Die beiden Jungs stürmen sofort auf die großen Trampoline vor dem Schwimmbad – Internet und Computerspiele sind erstmal vergessen.

Nach einem reichhaltigen Frühstück im Café kommt die Sonne heraus und es geht auf die Düne: Unendliche Weite, Natur pur und das Rauschen der Nordsee. Mit dabei ist Camilla Dvinge, die Chefin von Dancamps: „Jedes Mal, wenn ich hier oben stehe, genieße ich es aufs Neue“, sagt sie. Camilla ist ein echter Profi und auf Campingplätzen groß geworden, das merkt man ihr sofort an. In tadellosem Deutsch berichtet sie über die Historie von Dancamps, einem klassischen Familienunternehmen. „Mein Opa hat in den 50er Jahren den berühmten MKP-Wohnwagen entwickelt. Ein doppelwandiges Modell, dass Camping auch im Winter ermöglichte.“ Heute betreibt Dancamps fünf Plätze in Jütland und beschäftigt ganzjährig 25 feste Mitarbeiter und Saisonkräfte. Camilla leitet das Unternehmen mit ihrem Bruder Nicolai in der vierten Generation.

„Wir wollen neue Zielgruppen ansprechen. Urbanität fordert Natur und Authentizität. Camping ist echt“ (Camilla Dvinge)

Glamping sei in Dänemark bis vor kurzem fast gar nicht bekannt gewesen. Entweder man zeltete oder mietete eines der zahlreichen, aber sehr teuren Ferienhäuser. „Durch das Glamping erschließen wir eine ganz neue Zielgruppe“, erklärt die 28-jährige. Bis zum Jahr 2000 waren nur Hütten mit Dusche und WC bis maximal 25 Quadratmetern erlaubt. Seit 2015 sind auch größere Objekte bis 35 Quadratmeter zugelassen. 16 Mobilheime dieser Art stehen auf dem Platz von Nordsø Camping. Diese neue Art der Unterkunft sei bei den Urlaubern sehr beliebt. Dies liege vor allem daran, dass man zeitlich flexibler sei und weniger als eine Woche bleiben könne. Zudem sind die Gäste noch näher an der Düne und es gibt ein umfangreiches Kinderprogramm.

Auch der Preis spreche ganz klar für das Glamping, erklärt Camilla. Und das Ende der Fahnenstange sei noch lange nicht erreicht. Die studierte Tourismus-Managerin hat ehrgeizige Ziele, eines davon ist die Errichtung eines internationalen Campingplatz in Kopenhagen in 2018/2019: „Mit Natur, Glamping und Kultur, nur fünf Kilometer vom Zentrum Kopenhagens entfernt, mit Fahrradwegen und Metro direkt vom Platz.“ Das Projekt ist bereits in der Planung und genehmigt.

Fazit: Nach dem kurzen Test-Wochenende wollen Gabi und Olli nächstes Jahr am Gardasee glampen. Thore und Pit können es jetzt schon kaum abwarten, bis es endlich losgeht. Das Glamping-Fieber hat die vier Testimonials auf jeden Fall angesteckt. Aber natürlich nur inklusive WLAN, Bad, Frühstück und Wellness;-)


Umgebung, Sport und Freizeit – das passt alles und verdient fünf Punkte, meint die Glamping-Inspektorin


Der Ringkøbingfjord ist durch eine dünne, dreißig Kilometer lange Landzunge von der Nordsee getrennt. In der Mitte liegt das alte Fischerdorf von Hvide Sande mit gemütlichen Cafés und Fischräuchereien, in denen man vorzüglich essen kann.

Jedes Jahr Ende April finden dort der größte Angelwettbewerb Dänemarks und die inoffizielle Weltmeisterschaft im Heringsangeln statt. Genau zu dieser Zeit ziehen die Heringe zum Laichen in den Ringkøbing Fjord und die Umgebung bei der Schleuse wird in ein lebendiges Herings-Meer verwandelt. „Die Wassersportmöglichkeiten bei Hvide Sande sind sehr vielseitig. Surfen und Kitesurfen ist äußerst beliebt auf beiden Seiten des Ortes – entweder in der Nordsee oder auf dem etwas ruhigeren Fjord. Dort gibt es auch gute Möglichkeiten zum Wasserski- oder Wakebordfahren oder für eine Paddeltour mit dem Kajak“, berichtet Sebastian Schaper, Geschäftsführer des örtlichen Tourismusverbandes.


Gourmet-Tipps für Glamper, die gehören natürlich zu jedem Urlaub dazu. Hier listet die Inspektorin ihre persönlichen Hotspots auf.


Hvide Sande Røgeri:

In der Hvide Sande Røgeri (Troldbjergvej 4) dreht sich alles um Produkte aus dem Meer und das klassische Fischräuchern. Man kann dort auch seinen eigenen Fisch räuchern lassen. 1969 mit einem Herd und zwei Kochplatten gestartet, avancierte der Familienbetrieb laut eigenen Angaben in den letzten 50 Jahren zur längsten Fischtheke Dänemarks. Servierte der Gründer früher jede einzelne Scholle höchstpersönlich, pilgern heutzutage im Sommer täglich bis zu 500 Gäste in die Hvide Sande Røgeri, welche inzwischen in zweiter Generation geführt wird. Der Fisch kommt täglich frisch von der Auktion. Zu empfehlen sind die hausgemachten Salate und Sandwiches. In der Delikatessen-Abteilung gibt es eine große Auswahl an frisch geräuchertem Fisch, Schalentieren und anderen Spezialitäten. Das angeschlossene Restaurant „Spisestedet“ bietet Platz für 150 Personen. Sehr lecker: Das reichhaltige Fischbuffet mit diversen geräucherten Fischsorten.

Stauning Whisky

Die einzige dänische Whisky Brennerei Stauning (Stauningvej 38, 6900 Skjern) gilt als Geheimtipp. Ein paar Freunde haben sich vor ein paar Jahren einen kleinen Lebenstraum verwirklicht, als sie auf einer Wochenendtour ein Glas schottischen Single Malt Whisky genossen und die Idee einer eigenen Produktion entwickelten. Nur kurze Zeit später entdeckte ein Whiskyexperte den Tropfen und riet den Hobby-Destilleuren, die Produktion zu erweitern. Seitdem ist Stauning Whisky in die Weltelite aufgestiegen. Führungen mit Whiskyprobe dauern eineinhalb Stunden und finden täglich statt.

Ejvinds Bageri

Ob leckere Margrethekager in Anlehnung an die dänische Königin oder Kaj-Kager in Form von kleinen grünen Smileys – die alt eingesessene Bäckerei und Konditorei Ejvinds (Nørregade 50) ist bekannt für ausgefallene Törtchen und Küchlein. Zudem gibt es in der 1956 gegründeten Bäckerei leckere Sandwiches und Brote.


Nützliche Links:

Campingplatz: www.dancamps.dk

Unterkunft und buchen: www.vacanceselect.com

Tourismusbüro: www.hvidesande.dk

Stauning Whiskey: stauningwhisky.dk