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UK Glamping: Very british in Walcott Hall

Von Anja Kleinelanghorst


Bei Urlaub in Großbritannien mag einem die Grafschaft Shropshire nicht unbedingt gleich einfallen – Cornwall und Devon sind dank unzähliger Rosemunde-Pilcher-Filme wesentlich bekannter. Aber der Glamping-Inspektor hat herausgefunden, dass es dort durchaus etwas gibt, das die Reise in den Bezirk oberhalb von Wales verlockend macht – nämlich ein Glamping-Ausflug nach Walcot Hall, das etwas 100 Kilometer westlich von Birmingham liegt.

London – Es fällt mir wirklich nicht schwer, mich sofort in das große Anwesen zu verlieben. Mit dem Wagen rolle ich die lange Auffahrt Richtung Herrenhaus hinauf und werde von zwei Pferden begrüßt, die frei grasen und sich nicht vom Fleck bewegen, sodass ich wohl oder übel vorsichtig um sie herumfahren muss. Rechts und links befinden sich zwei Seen, auf denen sich mindestens vierzig Schwäne tummeln.

Auf verschlungenen Wegen erreicht man das herrschaftliche Herrenhaus, das 1762 für Robert Clive gebaut wurde. Dieser Herr war damals als Clive of India bekannt, hatte in Indien ein beachtliches Vermögen gescheffelt und konnte sich so dies riesige Anwesen leisten. Als Bürgermeister des benachbarten Shrewsbury brauchte er zudem etwas zum Repräsentieren und das kann man Walcot Hall wirklich nicht absprechen – die Glamping-Inspektorin ist beeindruckt. Fast zweihundert Jahre war der Besitz in adeliger Hand, bis Walcot Hall mitsamt seinen Liegenschaften 1956 von der Parish-Familie gekauft wurde. Ende der 90er Jahre fingen die heutigen Besitzer, Robin und Lucinda Parish, an, ihr Anwesen für Hochzeiten zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig ein kleines Glamping-Paradies zu errichten.

Die Jurten

Clive von Indien hatte exotische Bäume in einem Arboretum anpflanzen lassen und in diesem zauberhaften Gebiet liegen nun verstreut die verschiedenen Glamping-Unterkünfte, in denen man es sich gutgehen lassen kann. Es gibt drei Jurten, bei deren Namensgebung die Glamping-Inspektorin gleich den Neil-Young-Fan in Robin Parish erkennt: Buffalo Springfield, Crazy Horse und After the Goldrush. Letztere Jurt bietet mit einem Doppelbett und Schlafsofa Platz für vier Personen und liegt direkt an einem idyllischen Teich. Eine große Bären-Skulptur begrüßt am Weg die Gäste. Um die Ecke und dennoch im gebührenden Abstand finden sich die beiden anderen Zwei-Personen-Yurten mit Blick auf den angrenzenden Wald und den Hügeln von Shropshire. Alle Jurten sind sehr gemütlich eingerichtet und verfügen über eine Camping-Küche. Allerdings teilen sich die Jurten-Bewohner, die in ehemaligen Hühnerställen untergebrachten Duschen, den Waschraum und die Toiletten – übrigens alles sehr charmant umgebaut. Licht wird von der Feuerstelle, Kerzen und Solarleuchten geliefert, geheizt wird mit Holzöfen. Sehr nah an der Natur, einfach aber zweckmäßig.

Zu den Jurten gesellen sich in dem Arboretum noch diverse umgebaute Eisenbahnwagons und alte Zigeunerwagen – alle so angelegt, dass man genügend Privatsphäre hat – auch hier teilt man sich die Waschräume und Toiletten. Der Glamping-Inspektor würde hier, was den Komfort betrifft, nur vier Glampingsterne vergeben, fehlt doch ein wesentliches Kennzeichen einer Glamping-Unterkunft; die “eigene” Dusch- und WC-Einheit. Dafür hat man es in Walcot Hall mit einer geringen Anzahl von Mit-Glampern zu tun, da fällt die gemeinsame Nutzung der WC- und Waschräume nicht zu sehr ins Gewicht. Das Schöne an Walcot Hall ist aber, dass man sich die verschiedenen Glamping-Grade aussuchen kann: Leute, die noch einen Rest Camping-Flair haben möchten, sind in den umgebauten Wagons und Wagen gut untergebracht. Die Yurten bieten dagegen mehr Platz. Aber wer es richtig charmant und komfortabel haben möchte, mietet die kleine Kapelle, die man in Walcot Hall zu einem kleinen Häuschen umgebaut hat. Sie liegt etwas abgelegen, in der Nähe des traumhaften Gartens des Anwesens und bietet Platz für vier Personen. Sie hat eine richtige Küche und man kann sich an das Kochen mit einem Aga versuchen – wer es nicht so mit Wärmespeicherherden hat, dem sei der Gasherd empfohlen. Gegessen wird am großen Tisch und nach einer langen Wanderung kann man sich bei Kerzenlicht in der Badewanne entspannen.

Dipping Shed

Die Krönung ist die Dipping Shed. Von all den Unterkünften ist diese ehemalige Jagdhütte bestimmt die gemütlichste. Sie ist vollgestopft mit Sesseln, einem großen Tisch und antiken Gartengeräten – Hausherr Robin Parish ist ein Sammler – und man hat einen traumhaften Blick auf die Hügel von Shropshire und die Seen von Walcot Hall. Außerdem stört einen hier wirklich niemand, denn die Hütte liegt etwas abgelegen. Keiner der anderen Urlauber verirrt sich hierher und die Nachbarn sind nur neugierige Lämmer, stolze Fasane und besagte Pferde, die sonst die Auffahrt unsicher machen und nun friedlich auf den Weiden grasen. Statt der Feuerstelle findet sich auf der Terrasse einen Gasgrill und auch die großräumige Küche ist mit einem Aga ausgestattet, der der Hütte angenehme Wärme verleiht. Wie in der Kapelle kann man aber auch mit dem Gasherd kochen. Das Badezimmer ist sehr charmant und die Betten sind sehr bequem. Man hat ein abgetrenntes Schlafzimmer und dann noch ein Doppelbett im Dachbereich über der Küche, das man über eine steile Treppe erreicht. Ein Generator sorgt für die Elektrik. Für Internetsüchtige ist dies der Ort, an dem man vielleicht seine Sucht überwinden kann, denn es gibt keins oder nur eines, das sehr langsam ist und man es doch lieber lässt. Einen Fernseher sucht man vergebens, Unterhaltung bietet ein altes Radio, aus dem die kultivierten BBC-Stimmen strömen.

Für Angler sind die Teiche von Walcot Hall sicherlich eine wahre Freude. Wer ist nicht so mit dem Fischfang hat, sollte eher in eines der antiquierten Ruderboote steigen und ein bisschen über den See rudern. Oder man vergnügt sich mit Tischtennis. Leute, die reiten können, leihen sich Pferde aus. Man kann aber auch einfach nur an dem wunderschönen Garten und dem Arboretum erfreuen. Auch bietet sich die Umgebung für ausgiebige Wandertouren an – so kann man das Plateau Long Mynd erkunden. Der Glamping-Inspektor empfiehlt eine Wanderung nach Clun, denn dort kann man sich der Romantik der dortigen Schlossruine ergeben und anschließend in den urigen Pubs des Ortes einkehren. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte nach Church Stretton fahren, denn dort gibt es mit Acton Scott einen viktorianischen Bauernhof, wo man lernt, wie Butter und Käse gemacht wird. Ludlow, das in der Nähe liegt, hat neben einem stattlichen Schloss noch einige mit Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurants zu bieten, dazu gibt es das Food Centre, in dem man sich mit Leckereien eindecken kann. Denn Walcot Hall setzt auf Selbstversorgung, deshalb kann der Glamping-Inspektor da nur drei Punkte vergeben, was die Gastronomie betrifft.

Alles in allem möchte der Glamping-Inspector  Walcot Hall ans Herz legen, denn es hat einen gewissen Zauber. Das liegt sicherlich auch an den  Besitzern, die in Gummistiefeln und mit ihren fünf Hunden über die Wiesen schlendern und zu gern mit ihren Gästen plaudern. Vierbeiner sind übrigens überall erlaubt, was bei den hundeverrückten Parishs kein Wunder ist. Der Glamping-Inspector fühlte sich hier sehr willkommen und sehr wohl.

The Dipping Shed:  Ab £112  pro Nacht, www.canopyandstars.co.uk/dippingshed / 0117 204 7830

Die Jurten: Ab £65 pro Nacht

The Chapel: Ab £100 pro Nacht

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