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UK Glamping: Great Glamping in Great Farm

Von Anja Kleinelanghorst


Go West denkt sich die Glamping-Inspektorin und fährt von London aus auf Glamping-Expedition in die Cotswolds. Ein Begriff, der sich für deutsche Ohren eher eher ungewöhnlich anhört, aber wer es in London zu etwas gebracht hat, hat hier seine Zweitbehausung gekauft – wie zum Beispiel Supermodel Kate Moss. Rund 150 Kilometer westlich von der britischen Metropole gelegen ist das Gebiet, das von Oxford bis Gloucester reicht, auch noch gut erreichbar für die Reichen und Schönen. Sanfte Hügellandschaft, pittoreske Dörfer, viel Wasser, was will man mehr? Einen Hot Tub im Wald vielleicht?

Das bietet jedenfalls die Great Farm im Whelford. Die Farmersleute Leonie und Jonathan McIntosh haben auf ihrem Gelände vier Glamping-Unterkünfte gestellt und laden zur netten Zweisamkeit ein. Um zum abgelegenen Platz zu kommen, trifft sich die Glamping-Inspektorin mit dem Ehepaar in Whelford an einem mit Reetdach bedecktem Cottage. Wer mit dem Zug anreist, kann sich ein Taxi vom 20 Autominuten entlegenden Swindon nehmen. Leonie oder Jonathan geleiten einen dann zu dem idyllischen Plätzchen. Und es ist wirklich idyllisch – die Glamping-Inspektorin ist verzückt. Der kleine Fluss Coln plätschert fröhlich vor sich hin, während man sich den Weg zum Nightingale Camp bahnt, da es doch recht matschig vom Regen ist. Aber keine Sorge – der Pick-up-Truck der McIntoshs hat damit keine Probleme und so lässt man das Auto eben etwas weiter entfernt stehen und schaukelt auf der mächtigen Ladefläche zum Camp, das sich in dem Wald neben dem Fluss befindet.

Ein umgebauter Eisenbahnwagon bietet ein gemütliches großes Bett, unter dem man sein Gepäck gut verstauen kann. Außerdem findet sich ein kleines Sofa und ein kleiner Ofen, der angenehm wärmt, sollte es zu kalt sein. Gegenüber befindet sich ein kleinerer Wagon, in dem sich eine Badewanne, Waschbecken und die Toilette befindet, aus dem Fenster schaut man direkt in den Wald, was die morgendliche Toilette noch einen Ticken romantischer macht. Beim Badezimmer-Wagen findet sich auch die überdachte Kochstelle mit Waschbecken, Kühlschrank und Gaskocher. Man kann aber auch an der Feuerstelle seinen Eintopf vor sich hinköcheln lassen. Das Feuer und Solarlichter weisen einem den Weg im Camp. Um die Ecke gibt es dann die eigentliche Attraktion – der Hot Tub. Das würde jetzt der Glamping-Inspektorin fünf Sterne für das Glamping-Erlebnis entlocken, wären da nicht die vier bis fünf Stunden, die es braucht, um den Hot Tub mit einem Feuer zu erwärmen. So sind es aber immer noch satte vier, denn wenn man sich erstmal hineingesetzt hat, dem plätschernden Flüsschen und dem Vögeln lauscht, gibt es einem doch “a sense of enormous well-being”, um hier mal aus einem Blur-Song zu zitieren.

Das Nightingale-Camp ist aber nicht das einzige Lager, das die McIntoshs anbieten – es gibt gibt noch drei weitere Camps, darunter das Barn Owl Camp, das in zwei Zigeunerwagen Unterschlupf für vier Personen bietet – alle andere Unterkünfte sind eher für zwei Personen geeignet. Hunde sind willkommen – für sie zahlt man 20 Pfund extra. Die vier Camps befinden sich in der Nähe voneinander, aber sind trotzdem so angelegt, dass man seine Ruhe vor den anderen Urlaubern hat und die Idylle allein genießen kann. Die Glamping-Inspektorsin ist auch nur über die Nachbarn gestolpert, als sie sich am Fluss auf den Weg ins angeblich nahegelege Lechlade machte.

Das ist ein hübscher Weg, allerdings sollte man sich aber nicht auf die Zeitangaben der Einheimischen halten, denn aus einem angeblichen 50 Minuten-Weg nach Lechlade wurden dann doch fast zwei Stunden. Ist man aber erst dort angekommen, kann man sich an der dortigen Gastronomie erfreuen. Die McIntoshs versorgen einen – gegen Aufpreis – mit einem Fresskorb für das morgendliche Frühstück, aber wer es noch bequemer mag, sollte sich mit dem Auto nach Lechlade begeben, denn die Glamping-Inspektorin hat dort im Lynwood & Co. den besten Croque Monsieur aller Zeiten gespeist und auch das Rührei war nicht zu verachten. Wobei wir bei der Gastronomie angekommen sind – die umliegenden Orte bieten genügend urige Pubs und gute Cafés, in denen man es sich gutgehen lassen kann. Das Trout Inn in Lechlade verdient besondere Erwähnung, denn nicht nur waren die Garnelen exzellent, die Glamping-Inspektorin bekam dazu noch eine Mitfahrgelegenheit von der Kellnerin zurück zum Camp. Und diese weigerte sich dann auch standhaft, Geld anzunehmen, denn sie wollte zeigen, wie nett die Leute im Cotswold sind. Und das sind sie auch. Also – wer auf ein Taxi für die Rückfahrt nach einer Wanderung spekuliert, könnte vielleicht enttäuscht werden, denn die Taxilage ist ein wenig prekär in Lechlade und man kann ja nicht immer auf nette Mitfahrgelegenheiten hoffen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt und den Rückweg zurückwandern will, dem bieten sich viele schöne Wege durch die Umgebung. Der Cotswolds Water Park befindet sich in der Nähe, dort kann man Wasserski fahren oder einfach nur die dortigen Vögel beobachten. Oder Promis. Ist sie da, wird Kate Moss häufig im The Swan in Lechlade gesichtet. Man kann sich Räder ausleihen, auch gibt es Reitmöglichkeiten. Great Farm ist etwas für Naturliebhaber und die Glamping-Inspektorin erfreute sich am Vogelgesang und bedauert es sehr, dass ihr Dackel so laut war, dass er die dort ansässigen Otter verscheucht hat. Es soll sie geben, also wer ohne Hunde am Fluss spazierengeht, trifft vielleicht auf sie.

Für das Naturerlebnis und die Romantik der Great Farm kann die Glamping-Inspektor getrost fünf Punkte vergeben. Bettwäsche oder Handtücher müssen nicht mitgebracht werden. Das Bett war sehr gemütlich. Weil aber alles sehr naturbelassen ist, mangelt es dann ein wenig am Komfort, das Licht im Wagon ist nicht so hell, dass man abends noch lesen kann, aber dem kann mit Kerzen noch nachgeholfen werden. Für die Restaurants, Pubs und Cafés fährt man zehn Kilometer, die sind dann aber so gut wie das besagte Frühstück im Lynwood & Co, denn nicht nur haben sie exzellente Kost, sie waren auch sehr nett zum besagten Dackel und wer mit Hund reist, ist in Großbritannien sehr dankbar, wenn man den ins Café mitnehmen kann und nicht nach draußen verbannt wird, wie es normalerweise der Fall ist.

Wie gesagt, die Cotwolds sind etwas für Naturliebhaber. Aber wen es in die Stadt zieht, fährt eine knappe Autostunde nach Oxford und kann sich an den dortigen Universitätsgebäuden ergötzen. Oder man fährt in die andere Richtung nach Gloucester und wird ganz andächtig in der wunderschönen Gloucester Cathedral.

Great Farm

Nightingale Camp £90 pro Nacht, www.canopyandstars.co.uk/nightingale